Wie mache ich gute Fotos?

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Hallo Allerseits. Vor einigen Jahren hatte ich noch eine Canon Digial Ixus 50 Kompaktkamera. Diese machte sich als immer dabei Kamera relativ gut. Aber wenn ich mir heute die Bilder so anschaue, dann war sie eher eine “gut-Wetter-Kamera”, da sie nur bei relativ hellen Lichtverhältnissen gute Fotos machte.

Im Winter, welcher ohnehin oft trüb und dauergrau ist, waren mit dieser Kamera gerade im Innenraum kaum noch brauchbare Fotos machbar. Die Innenraumbeleuchtung war zu schwach für die Kamera. Die Folge waren verrauschte oder unscharfe Fotos. Verrauscht, weil die Kamera mit der ISO hoch gegangen war, unscharf weil auch das noch nicht reichte um die Belichtungszeit soweit zu reduzieren, dass keine Bewegungsunschärfe auf tritt.

Die Suche nach einer neuen Kamera

Also machte ich mich bei und recherchierte nach guten Kameras. Ich studierte viele Blogs und Meinungen, wie diese: 3 Dinge, die eine digitale Spiegelreflexkamera besser kann als eine Systemkamera oder Zehn Gründe für eine digitale Spiegelreflexkamera Denn ich wollte in Zukunft wirklich gute Fotos in jeder Lebens- und vor allem Lichtlage machen können. Schnell bemerkte ich den Zusammenhang zwischen Größe des Bildsensors und Bildqualität. Je größer der Bildsensor, desto besser werden die Bilder selbst bei wenig Licht. Somit schieden Kompaktkameras aus. Diese haben meist einen 1/2.5″ (5,76 x 4,29mm) oder 1/1.8″ (7,18 x 5,32mm) kleinen Bildsensor. Diese Sensoren bieten zwar einen relativ großen Fokusbereich, so dass der Autofokus nicht zu viel arbeiten muss, dafür sind sie relativ Lichtschwach.

Eine große Vollformatkamera wäre mir dann aber auch wieder zu viel geworden. Gerade vom Preis her. Wie gut, dass es da noch eine Klasse zwischen Vollformat und Kompaktkamera gibt. Canons APS-C Reihen und entsprechende Konkurenzprodukte. Mit Maßen von 23 x 15mm sind die Sensoren schon deutlich größer und fangen damit mehr Licht ein, als die Winzlinge einer Kompaktkamera. So wurde es die EOS 750D:

Bild zeigt Spiegelreflexkamera

Die Vorteile:

-> das RAW-Format

In einer RAW-Datei legt die Kamera den kompletten Datensatz des Bildsensors auf der SD-Karte ab. Hieraus kann später per Bildbearbeitungssoftware deutlich mehr heraus geholt werden, als aus einem bereits fertig entwickelten JPEG-Bild. Es wird gern der Vergleich zwischen einem fertig entwickeltem Bild (JPEG) und dem Negativ (RAW) aufgegriffen. Und dieser Vergleich passt auch bestens. Denn aus dem Negativ wurden zu Zeiten der chemischen Fotografie die Fotos entwickelt. Auch wenn es sicherlich Kompaktkameras gibt, welche ihre Bildsensordaten als RAW-Datei auf der SD-Karte ablegen, was hier aber noch eher die Ausnahme ist, so war ich mir bei der APS-C Kamera dessen sicher.

Hier mal 2 Bilder, links unbearbeitet und zu wenig belichtet, rechts mittels Camera Raw nachbearbeitet und Belichtung korrigiert:

Hier sieht man sehr deutlich, was aus den Rohdaten des Bildsensors noch alles heraus geholt werden kann. Dunkle Bildbereiche können stark aufgehellt und helle, scheinbar überbelichtete Bereich abgedunkelt, sowie die Farbsättigung, Kontrast und Schärfe angepasst werden. So kann am Computer aus einem scheinbar unbrauchbaren Bild noch das Fotos des Tages werden.

-> optischer Sucher

Wer kennt es nicht vom Handy? Man steht draussen in der Sonne, nirgendwo ist ein Baum und auf dem Handydisplay ist nichts zu erkennen. Das gleiche Problem hat man bei Kompaktkameras, da diese in der Regel keinen optischen Sucher bieten und die Bildvorschau nur auf einem Display wiedergeben. Mit einem optischen Sucher sieht man auch unter widrigsten Umständen, was die Kamera sieht. Und durch diesen optischen Sucher wurde die Spiegelreflexkamera zur Spiegelreflexkamera. Denn in der Ausgangsstellung ist der Spiegel so geklappt, dass man durch den Sucher, über den Spiegel durch die Optik der Kamera schaut. Erst in dem Augenblick, in dem das Foto ausgelöst wird, klappt der Spiegel hoch und der Lichtstrahl, welcher von der Optik kommt, fällt direkt auf den Bildsensor. Sobald die Belichtungszeit rum ist, fällt der Spiegel wieder in seinen Ausgangszustand zurück und der Lichtstrahl wird durch den Spigel in den optischen Sucher geleitet.

-> viele Objektive

Die Zahl an verfügbaren Objektiven ist geradezu grenzenlos. Allerdings muss man auf den Bajonettanschlusstyp achten. Es gibt unterschiedliche Anschlusstypen, welche von Hersteller zu Hersteller verschieden sind. Meine EOS 750D hat beispielsweise den EF-S Anschluss, welcher bei den Canonmodellen der APS-C Klasse standardmäßig Verwendung findet.

Sofern vorhanden, kann sogar das eigene Telekop mittels spezieller Bajonett-Teleskopadapter ans Telekop montiert werden. Wahlweise in der Fokalprojektion (Teleskop dient als Kameraobjektiv) oder in der Linsenprojektion (Im Teleskop ist ein Okular eingesetzt und die Kamera schaut in das Okular hinein.) So kann Beispielsweise der Mond durchs Telekop fotografiert aussehen:

Der Mond durchs Telekop fotografiert.

Bei den Objektiven gibt es billige, wie auch hochpreisige. Bei den billigen Objektiven werden die Bilder dann meist auch “billig”. Von Farbsaum um Gebäude, Vignettierungen an den Bilderrändern bis hin zu deutlicher Randunschärfe und geringer Optikvergütung ist da alles dabei. Je hochpreisiger es wird, desto wertiger sind die Objektive verarbeitet. Bei den Hochpreisigen Optiken kann sogar davon ausgegangen werden, dass jede einzelne Linse vorder- und rückseitig vergütet sind, was Lichtreflexe zwischen den Linsen deutlich reduziert.

Bei einer Kompaktkamera sind standardmäßig Zoom-Objektive verbaut und diese sind auch fest verbaut. Man kann sie nicht tauschen. Ist das Objetiv durch einen Sturz beschädigt, muss es entweder zur teuren Herstellerreperatur, oder es wird Zeit für eine neue Kamera. Somit ist auch der Wechsel zu einem höherwertigerem Objektiv bei einer Kompaktkamera nicht möglich.

Nachteil: Viele Objektive und hohe Kosten

Ein wirklich großer Nachteil von Kameras mit großen Bildsensoren ist die Notwendigkeit zu großen Objektiven. Während die kleinen Bildsensoren einen hohen Vergrößerungsfaktor aufweisen, ist es bei APS-C und erst recht bei Vollformat nicht mehr an dem. Durch den hohen Vergrößerungsfaktor der kleinen Bildsensoren, fällt es relativ leicht, eine Zoomoptik zu verbauen, welche einen großen Brennweitenbereich abdeckt und somit eine großen “Zoom-Bereich” bereit hält. Bei den großen Bildsensoren gibt es zwar auch Zoomobjektive, jedoch sind diese meist in verschiedene Bereiche geteilt. So war im Lieferumfang bereits ein 18-50mm Kitobjektiv dabei und ich habe mir später noch ein 50-250mm Objektiv dazu gekauft.

Zudem kosten diese Objektive einiges. Dennoch sollte man nicht möglichst günstig kaufen. Denn günstig geht immer zu Kosten der Qualität. So zeigen billige Objektive häufig Bildverzerrungen am Rand, sowie unangenehme Farbsäume um Objekte herum oder starke Vignettierungen.

Bildbearbeitung mit Photoshop Elements

Da die Vollversion vom Adobe Photoshop nur noch als monatliches Abo erhältlich ist, habe ich mich für Photoshop Elements entschieden. Gegenüber der Vollversion ist PSE zwar deutlich abgespeckt und viele Funktionen wurden seitens Adobe deaktiviert, aber ich kann nicht sagen, dass ich in PSE schon einmal eine Funktion vermisst hätte.

Ich nutze hier ohnehin meist nur das Plugin “Camera-RAW” welches die von der Kamera gespeicherten RAW-Dateien lesen und öffnen kann. Hier hat man nun reichlich Möglichkeiten das Bild nachzubearbeiten. Von Hellig und Kontrast, über Tiefen, Schwarz-Anteil und Weiß-Anteil, Helligkeit bis hin zum Regler “Klarheit” können sehr viele Parameter verändert werden. Und dies ist der Vorteil an RAW-Dateien. Hier sind deutlich mehr Bildinformationen enthalten, als in einem fertig entwickelten JPEG-Bild. Denn auf Grund der geringen Bildinformationen, sind die Nachbearbeitungsmöglichkeiten eines JPEG-Bildes sehr begrenzt und es kommt schnell zur Artefaktbildung im Bild.

Tipps für gute Fotos

Da der Titel heißt “Wie mache ich gute Fotos”, möchte ich auch darauf noch etwas eingehen und ein paar grundlegende Regeln aufzeigen, welche beim Fotografieren eingehalten werden sollten.

Die 2/3 Regel

Das Zielobjekt sollte sich nie mittig im Bild befinden. Es wirkt deutlich interessanter, wenn das Zielobjekt sich ausserhalb der Mitte befindet. Viele Kameras haben hierfür sogar spezielle Rasterlinien, die man sich auf den Bildschirm schalten kann. Dieses Raster unterteilt den Bildschirm in 9 Segmente (3×3). Auch der Horizont sollte nie genau Bildmittig verlaufen. Besser ist eine 2/3 Aufteilung. Entweder 2/3 Landschaft und 1/3 Himmel oder umgekehrt.

Nutzung des Histgramms zum Helligkeitsabgleich

Wer gern mit manueller Belichtung arbeitet, sollte sich das Histogramm auf den Monitor legen. Dieses kleine Diagramm zeigt an, ob Bildbereiche über- bzw. unterbelichtet sind. Dies sollten sie nach Möglichkeit nicht sein, da über- bzw. unterbelichtete Bildbereiche keinerlei Struktur enthalten und somit eine einheitliche glatte Fläche ergeben. Aus einer dunklen Wolke mit turbulenter Struktur wird so, einfach ein grauer Fleck.

Arbeiten mit der Tiefenschärfe

Mit einer möglichst kleinen Blende lässt sich die größte Tiefenschärfe erreichen. Aber was ist das überhaupt, die Tiefenschärfe? Nun, unter Tiefenschärfe versteht man, ob über eine lange Distanz hinweg die Objekte auf einem Bild scharf wirken, oder nur ein kurzes Stück scharf dargestellt wird. Hier ein Beispiel:

Ein Schmetterling auf einer Blume.

Hier schaut man sofort auf den Schmetterling und die Blume, da nichts anderes in diesem Bild scharf abgebildet ist. Somit kann die Tiefenschärfe auch den Blick des Betrachters steuern. Mehr Details zu Tiefenschärfe, ist in diesem Blogartikel zu finden.

Nutzung der Fokussensoren

Um diese Tiefenschärfe genau dort hin zu legen, wo sich das Fotoobjekt befindet, nutzt man am besten die Fokussensoren der Kamera. Meine 750D besitzt ein kleines Arsenal solcher Fokussensoren und ich kann sie in 3 Stufen auswählen:

  • alle Sensoren nutzen (Kamera versucht so scharf zu stellen, dass alle Sensoren ein möglichst scharfes Bild liefern
  • mittige Sensoren nutzen (Das Bild wird vorrangig in der Bildmitte fokussiert)
  • mittiger Sensor (Nutzt nur noch einen genau in der Bildmitte befindlichen Kreuzsensor. Dies macht sich besonders gut, wenn man beispielsweise einen Vogel in einem Baum fotografieren möchte.)

Noch kurz weitere Ergänzungen zum dritten Punkt, dem einzlenen Fokussensor: Da beim Fotografieren eines Vogels im Baum meist ein Zoom oder Teleobjektiv verwendet wird, kommt es hierbei oft vor, dass sich während des Fokussierens Zweige und Blätter vor den Fokussensor schieben und dieser dann auf diesen Zweig/Blatt scharf stellt. Trotz des einzelnen Sensors kann es also durchaus einige Versuche brauchen, bis der Vogel im Kasten ist. Hier noch ein toller Blogartikel, welcher sehr detailiert auf die Fokussierung ein geht.

Fazit:
Ich habe den Kauf meiner Spiegelreflexkamera bisher nie bereut, sondern war stets stolz darauf, sie zu haben. Mit einer Kompaktkamera, oder gar dem Smartphone hätte ich viele der Aufnahmen, die heute im Familienalbum kleben, nie hinbekommen. Mit der Spiegelreflexkamera hingegen war es oft ein Leichtes. Ob es der Star auf dem Dach war, den ich fotografieren wollte, der Schmetterling auf der Blume oder ein beliebiges anderes Motiv, stets sind die Bilder echte Hingucker geworden. Was ich auch zu schätzen gelernt habe, ist die kurze Auslösezeit. Während mein Smartphone oft 1-2 Sekunden bis zum Auslösen benötigt, tut es die Spiegelreflexkamera ohne jede Verzögerung sofort. Mit dem Handy hätte ich oft einen leeren Baum ohne Vogel fotografiert, weil dieser im Moment des Auslösens los geflogen ist. Mit der Spiegelreflex ist mir das noch nie passiert.

In diesem Sinne, viel Spaß und Erfolg beim Fotografieren 😉 .

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