Was wäre wenn der Strom ausfällt?

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Hallo allerseits.

Wir sind heute umgeben von elektrischen Helfern und Unterhaltungsgeräten, die uns das Leben erleichtern und verschönern. Von Computer und Smartphone, über Waschmaschine, Herd, Backofen bis hin zum Rasenmäher und der Heckenschere, haben wir im Laufe des Lebens eine Vielzahl elektrischer Helfer angesammelt. Doch wie sehr würde sich unser Leben verändern, wenn es einen Stromausfall über Tage oder gar Wochen gäbe?

Beispiele großflächiger Stromausfälle

Berlin Köpenick, Ende Februar 2019, 30.000 Haushalte ohne Strom

Große, flächendeckende Stromausfälle sind in Deutschland selten. Allerdings kommt es immer wieder regional zu größeren Stromausfällen, von denen schnell tausende Menschen betroffen sind. So gab es in Berlin Köpenick Ende Februar 2019 einen großen Stromausfall, von dem 30.000 Haushalte sowie zahlreiche Gewerbebetriebe betroffen waren. Ausgelöst wurde der Stromausfall durch einen Kabelschaden während Bauarbeiten an einer Brücke. Weitere Infos auf RBB24.de

Nassschnee lässt Ende November 2005 im Münsterland die Strommasten knicken

Ein weiteres Beispiel war der Stromausfall im Münsterland Ende Novemeber 2005. Durch eine besondere Wetterlage gab es bei 0°C Nassschnee, welcher sich an den Hochspannungsleitungen einer Überlandleitung anlagerte. Irgendwann gaben die Strommasten dem hohen Gewicht des nassen Schnees nach und knickten um. Die Folge war ein teilweise tagelanger Stromausfall im Münsterland. Bei Temperaturen um 0°C kühlten die Gebäude entsprechend schnell aus. Betroffen waren bis zu 250.000 Menschen. Weitere Infos, sowie zahlreiche Bilder, bei den westfälischen Nachrichten.

Gefahren für die Stromsicherheit

Das Stromnetz ist ständigen Gefahren ausgesetzt. Nicht nur Naturgewalten wie Schnee, Eis und Wind, auch Fehler bei Bauarbeiten können es gefährden. Angriffe über das Internet sind ebenfalls eine beständige Bedrohung. Die wahrscheinlich größte Bedrohung für unser Stromnetz ist allerdings die immer größer werdende Zahl regenerativer Energiequellen. Denn diese liefern nicht gleichmäßig Strom wie es Kraftwerke tun, sondern immer dann, wenn der Wind gerade weht, oder die Sonne scheint. Diese Energie ist schlecht kalkulierbar und sorgt besonders an Tagen mit viel Wind und Sonne für viel Arbeit an der Strombörse.

Je nach Wetterlage muss mal Strom ins europäische Ausland verkauft werden und teilweise nur Stunden später, Strom eingekauft werden. Der Hacken an der Sache: Für den Überfluss an Strom, welcher gerade an sonnigen und zudem windreichen Tagen entsteht, gibt es nicht immer auf Anhieb Käufer. Nicht selten geht der Strom fast gratis raus, da ihn sonst niemand genommen hätte. Manchmal müssen die Stromversorger sogar noch etwas für die Stromabnahme zahlen.

Warum muss so viel Strom ge- bzw. verkauft werden?

Dies hat mit der Netzfrequenz zu tun. Diese muss relativ stabil bei 50Hz gehalten werden. Ist zu viel Strom im Netz, steigt die Netzfrequenz. Ist zu wenig Strom vorhanden, fällt sie. Damit kann mittels der Netzfrequenz relativ schnell und zuverlässig abgelesen werden, ob gerade ein Stromüberangebot oder ein Strommangel besteht. Weicht die Netzfrequenz über die Toleranzen hinaus vom Soll ab, greifen automatische Sicherungsmechnismen. Bei einem Strommangel ist dies in erster Linie das Zuschalten weiterer Energiequellen wie Pumpspeicherkraftwerke, Staudämme und anderen Kraftwerkstypen, die binnen kurzer Zeit viel Energie ins Netz einspeisen können. Beim Stromüberangebot hingegen, kann elektrische Energie zum Füllen vom Pumpspeicherkraftwerken genutzt und Kraftwerke kurzzeitig vom Netz genommen werden. In beiden Fällen besteht zudem die Möglichkeit des Einkaufs bzw. Verkaufs von Strom aus/ins europäische Ausland.

Gerade die vielen Windkraftanlagen und Solarparks in Deutschland geben allerdings bei bestimmten Wetterlagen so viel Energie ins Netz ab, dass manchmal alles Abschalten und Verkaufen ins Ausland nicht reicht. Dann werden insbesondere Winkraftanlagen abgeschaltet. Abgeschaltete Winkraftanlagen können leicht von aktiven WKA’s unterschieden werden, da sie sich gegenüber den aktiven deutlich langsamer drehen und aus dem Wind heraus gedreht sind. An sonnigen und windreichen Tagen sehe ich fast ständig irgendwo Winräder, welche sich trotz kräftigen Windes kaum drehen und auch nicht nach dem Wind ausgerichtet sind. Da ist gleich klar: “Wieder zu viel Strom im Netz.”

Die Wichtigkeit des Leitungsquerschnitts

Auch der Leitungsquerschnitt limitiert die Menge der transportierten, elektrischen Leistung. Je dicker die Leitungen und je Höher die Spannung, desto mehr elektrische Leistung kann von A nach B transportiert werden. Daher werden über lange Strecken auch keine 230V übertragen sondern weit höhere Spannungen. Überlandleitungen werden meist mit 110kV (110.000V) gespeist. Auch wenn hierbei schon recht dicke Drahtseile verwendet werden, stellen sich mit steigendem Stromfluss gemäß dem ohmschen Gesetz Leitungsverluste ein. Fließt zu viel Strom durch das Kabel, wird es heiß und kann zu Glühen beginnen. Schlimmsten Falls wird es dabei so heiß, dass es schmilzt und reißt. Dies ist ein weiterer Punkt, warum das Strommanagement so wichtig ist.

Sonnenerruptionen

Eine Gefahr für das Stromnetz, welche zum Glück eher selten auftritt, sind Sonnenstürme. Alle 11 Jahre kommt die Sonne in eine Phase, in welcher sie besonders viel heißes, ionisiertes Gas ins All schleudert. Mitunter auch in Richtung Erde. Treffen mehrere starke Plasmawolken nacheinander auf das Erdmagnetfeld, verändern sie dessen Form. Gemäß Induktionsgesetz, kommt es in allen elektrischen Leitern zu Induktionseffekten, welche einem sich ändernden elektromagnetischen Feld ausgesetzt sind. Dies ist dann bei den Überlandleitungen der Fall. Diese sind dem sich ändernden Erdmagnetfeld ausgesetzt und in die Überlandleitungen wird viel elektrische Energie induziert. Während die Leitungen dies größtenteils noch wegstecken, haben es Transformatoren damit schon deutlich schwerer und brennen durch. In Folge dessen kommt es zu großflächigen Stromausfällen. Auch Satelliten haben es schwer, der Plasmawolke zu wiederstehen. In der Folge fallen wichtige Dienste wie GPS und Satellitenkommunikation aus. Was Sonnenstürme anrichten können, zeigt dieses Video von “Welt der Wunder”. Auch zeigt es die Folgen, welche nicht nur durch den Sonnensturm, sondern vor allem der nachfolgende großflächige Stromausfall mit sich bringen würde.

Die Folgen eines großen Stromausfalls

Da wir heute sehr abhängig von Elektrizität in all ihren Formen und Variationen sind, wären die Folgen natürlich erheblich. Als erstes würde uns auffallen, dass sämtliche elektrischen Geräte nicht mehr funktionieren. Von Computer und Fernsehen, über Beleuchtung, Wasserkocher, hin zu Herd und Backofen… Nichts funktioniert mehr. Im ersten Augenblick keine besonders angenehme Situation. Je nach Arbeitsgebiet wäre damit die Weiterarbeit nicht mehr möglich. Die große Frage, die sich jeder stellen wird “Wann kommt der Strom wieder?“. Auf der Suche nach Anworten ist der Griff zum Smartphone nicht weit. Jeder wird versuchen im mobilen Internet oder durch Anrufe bei Freunden und Bekannten, an Informationen zu kommen. Auch wenn die Mobilfunkmasten mit einer gewissen Energiereserve ausgestattet und somit zunächst nicht vom Stromausfall betroffen sind, wird diese Flut an Datenverkehr zu einer starken Auslastung des mobilen Netzes sorgen. Die Datenrate des mobilen Internets sackt in den Keller, Anrufe sind kaum möglich. Die Situation wird der Sylvesternacht zu 00:00 Uhr gleichen. Jeder versucht jeden zu erreichen. SMS-Nachrichten treffen erst Stunden später beim Empfänger ein…

Wohl dem, der noch ein batteriebetriebenes Radio samt frischen Batterien hat. Denn auch Rundfunksender verfügen über eine gewisse Menge “Notenergie” und können somit noch eine Zeit lang auf Sendung bleiben. Hier sind noch am ehesten relevante Informationen zu erwarten.

Es wird langsam kalt

Mit der Zeit nimmt auch der Druck in der Wasserleitung ab. Entsprechend kommt irgendwann kein Wasser mehr aus dem Hahn. Auch die Wärmeversorgung bricht zusammen. Denn beide Systeme werden durch elektrische Pumpen am Laufen gehalten. Ohne Wasser in einer kalten Wohnung wird es bald ungemütlich. Als weiteres Übel meldet sich das Handy zu Wort, welches gern wieder ans Ladegerät möchte. Taschenlampen versagen den Dienst. Sogar das geliebte Auto muss irgendwann stehen bleiben. Denn ohne Strom funktionieren die Pumpen nicht, welche den Treibstoff aus den unterirdischen Lagern nach oben, in den Autotank pumpen.

Viel Spaß im Supermarkt

Aber einkaufen, das geht doch nocht, oder?” Jein… es fängt ja schon mit der automatischen Schiebetür an. Diese muss vom Personal manuell geöffnet werden. Der Einkauf sollte, solange die Regale noch gefüllt sind, erst einmal normal machbar sein. Die große Überraschung wartet aber an der Kasse. Überall sind nur Strichcodes auf den Verpackungen. Keine Preise. Wie viel kosten jetzt die Nudeln noch mal? Also zurück zum Regal und nachschauen. Empfehlenswert fürs Supermarktpersonal wäre es folglich sich mit Taschenrechner und Produktliste zu bewaffnen. Auf der Produktliste werden alle im Markt erhältlichen Produkte samt Verkaufspreis notiert. Und dann geht die Rechnerei an der Kasse los.

Ich kann aber nur mit Karte zahlen…” Was sonst schnell und bequem funktioniert, geht nun nicht mehr. Ohne Computer mit Internetanbindung, der den Chip der EC-Karte lesen und den Betrag bei der Bank des Einkäufers abbuchen kann, keine Kartenzahlung. Kurz gesagt, nur gegen Bargeld darf der Einkauf mit nach Hause.

Es ist so kalt, ich zünde mal eine Kerze an

Zunächst, eine gute Idee. Aber grundsätzlich gilt, offenes Feuer sollte stets unter Beobachtung sein. Denn gerade jetzt, wo keine Kommunikation mehr funktioniert, ist es kaum möglich die Einsatzkräfte zu alarmieren. Auch Feuermelder sind mangels Elektrizität ausgefallen.

Überwachungskameras und andere elektronische Maßnahmen zum Einbruchsschutz funktionieren ebenfalls nicht mehr. Einrecher haben nun leichtes Spiel. Da Einsatzkräfte kaum alarmiert werden können, macht sich überall Kirminalität breit. Geschäfte werden geplündert. Wer abends und Nachts unterwegs ist, muss sehr auf sich aufpassen.

Der Alltag wandelt sich

Nach einer Woche Stromausfall hat sich der Alltag sehr gewandelt. Ist man am ersten stromlosen Morgen noch zur Arbeit gefahren, in der Hoffnung, der Strom kommt wieder, bleibt man inzwischen gleich Zuhause und schaut, wie die Familie versorgt werden kann. Wohl dem, der vorgesorgt hat und der Checkliste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz gefolgt ist. Hier sind viele Wertvolle Güter aufgelistet, die jeder für den Ernstfall gelagert haben sollte. Von lang haltbaren Lebensmitteln wie Wasserflaschen und Dosenessen, über Taschenlampe und Radio bis hin zur Schlafdecke und Wassereimer.

Besitzer von Haus und Grundstück sind hier deutlich im Vorteil. Denn gerade ältere Häuser verfügen oft über ganzjährig kühle Keller, welche sich bestens zur Lagerung von Lebensmittel eignen. Zudem besitzen viele Häuser Kamine, mit welchen sich das Haus in den Wintermonaten beheizen lässt. Auch wird das Regenwasser aufgefangen und kann für die Toilettenspülung, den Abwasch und zur Reinigung der Wäsche genutzt werden. Wer im Besitz eines Gasbrenners ist, kann das Regenwasser zudem abkochen und als Trinkwasser nutzen. Dem morgendlichen Kaffee steht somit nichts im Weg. Zumindest bis der Kaffee aufgebraucht ist 😀 .

Besonders gut sind Photovoltaikbesitzer dran. Je nachdem wie die Anlage verschaltet ist, sollte auch während des Stromausfalls der selbst produzierte Strom genutzt werden können. Abhängig von der Leistungsstärke der Photovoltaikanlage und Jahreszeit, ist hier der Betrieb eines Leistungshungrigen Gerätes wie Herd, Backofen, Wasserkocher oder Waschmaschine bei Sonnenschein denkbar. Allerdings sollten keine Wolken vorhanden sein. Sonst kehrt auch hier der Stromausfall mitten im Waschvorgang zurück. Ich glaube nicht, dass Waschmaschinen so etwas gut finden würden.

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Ich hoffe dieser Artikel hat ein wenig die Bedeutung des elektrischen Stroms in unserer heutigen Gesellschaft aufgezeigt und wie sehr wir von ihm abhängig sind. Hoffen wir, dass ein solcher Ernstfall so schnell nicht eintritt. Für den Fall der Fälle, finde ich es aber gut, gerüstet zu sein.

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