Die Stadt Frankfurt (Oder)

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Seit nunmehr 36 Jahren bin ich Bürger der Stadt Frankfurt an der Oder. Seit dem hat sich viel getan. Allem vorran ist Frankfurt seit dem deutlich geschrumpft.

In meinen ersten Lebensjahren war sie noch eine große, belebte Stadt. Dies war vor allem im Halbleiterwerk begründet, welches sich im südlich gelegenen Ortsteil Markendorf befand. Hier hatte ein Großteil aller Frankfurter seinen Arbeitplatz. Es wurden Schaltkreise und Mikroelektronik in großem Umfang prdoduziert. Um all diesen Arbeitern ein Zuhause zu geben, wurden die Stadtteile Süd und Neuberesinchen erbaut bzw. erweitert. Es entstanden viele Neubauwohnungen und in einer davon verbrachte auch ich meine ersten 18 Lebensjahre.

Doch die Wende beendete den Erfolg des Halbleiterwerks und aller damit in Verbindung stehdenen Gewerbe. Ein Betrieb nach dem anderen schloss seine Türen endgültig und viele Frankfurter wurden arbeitslos. Die Einwohnerzahl Frankfurts begann deutlich zu fallen und es standen immer mehr Wohnungen leer.

Frankfurt im Mai 2008. Hier sah der Stadtteil Neuberesinchen noch groß und bedeutsam aus.
Nur 7 Jahre später, im Juni 2015, sah es hier schon ganz anders aus. Der Stadtteil Neuberesinchen ist zu einer großen Wiese geworden.
Denn inzwischen haben die Abrissbagger ganze Arbeit geleistet. In diesem Bild wurde gerade die 8, Gesamtschule abgerissen.
Ob kleine Gastronomiebetriebe, wie hier die Kneipe “Endstation” …
… oder größere Einkaufsmöglichkeiten, alle hatten unter der schwindenden Bevölkerungszahl in Neuberesinchen zu leiden und mussten ihre Geschäfte nach und nach aufgeben.
Während dessen wurden andernorts bereits die nächsten Wohnungen geräumt und für den Abriss vorbereitet.

Ein Lichtblick waren in der Zeit 2006 bis 2012 die 3 großen Solarunternehmen Odersun, First Solar und Conergy. Gerade beim großen, amerikanischen Solarproduzenten First Solar waren hunderte Mitarbeiter im 12 Stunden Schichtsystem tätig und bekamen durch Schicht- und Feiertagszuschläge ein, für diese Region ansehnliches Gehalt.

Während Odersun und First Solar binnen kurzer Zeit nacheinander die Produktion einstellten und die Mitarbeiter zunächst in eine Transfergesellschaft, später auf den Arbeitsmarkt entließen, wurde Conergy unter dem neuen Namen “Astronergy” von der chinesischen Chint-Solargruppe übernommen. Im April 2019 wurde dann allerdings auch bei Astronergy die Produktion beendet.

Damit hat Frankfurt (Oder) nun keine nennenswerte, größere Industrie mehr, welche einer größeren Menschenmenge Arbeit bietet. Es gibt viele kleinere und mittelständische Unternehmen, welche aber meist nie mehr als 100 Leute beschäftigt. Eine Firma, welche derzeit vergleichsweise viele Menschen beschäftigt, ist Yamaichi mit aktuell 120 Mitarbeitern. Und Yamaichi baut derzeit eine zweite Produktionshalle, so dass hier die Mitarbeiterzahl noch einmal nach oben gehen dürfte.

Unser aktueller Bürgermeister, Rene Willke ist sehr ambitioniert, den eingestaubten Ruf Frankfurts zu polieren und wieder zum Glänzen zu bringen. Aus meiner Sicht gehört dazu an erster Stelle die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Wenn es Frankfurt schafft, wieder viele Unternehmen anzusiedeln, welche ihrerseits einen großen Personalbedarf haben, dann entwickelt sich der Rest mit der Zeit von allein. Menschen die Arbeit haben, verdienen Geld. Wer Geld hat, will sich auch etwas davon kaufen. Folglich wird der Einzelhandel zunehmen und auch seine Produktpalette erweitern. Und auch die Stadt Frankfurt würde sehr davon profitieren. Von allen Seiten (Steuerabgaben der Unternehmen, Einzelhandel, Versorungs und Zulieferbetriebe, …) kämen wieder Steuereinnahmen. Gelder die dazu genutzt werden können, die marode Infrastruktur instand zu setzen und das Freizeitangebot für Kinder und Jugendliche wieder deutlich auszubauen. Kurz, Frankfurt könnte wieder zu einer bedeutsamen Stadt werden.

In dieser Hinsicht sind Zeitungsartikel wie dieser: Metallbaufirma verlässt Frankfurt natürlich keine gute Werbung. Kurz zusammen gefasst geht es in diesem Artikel darum, dass die Leitung des markendorfer Gewerbegebiets TeGeCe (Technologie und Gewerbe Center) über 2 Jahre hinweg nicht in der Lage war, der Metallbaufirma “Grunow & Discher GmbH” eine geeignete Gewerbefläche anzubieten. Was in Frankfurt binnen 2 Jahren nicht klappte, gelang dafür in der kleinen Nachbarstadt Müllrose binnen 4 Wochen. In diesem Artikel wird zudem beiläufig erwähnt, dass auch die Firma “Orgelbau Sauer” einst eine frankfurter Traditionsfirma war und nun in Müllrose tätig ist. Nunja, hoffen wir, dass es Frankfurt in Zukunft besser gelingt, neue Wirtschaft hier anzusiedeln bzw. bereits vorhandene Wirtschaft bei deren Expansion zu unterstützen.

Aber Frankfurt hat auch viele positive Seiten. Da es (inzwischen) eine eher kleine Stadt ist, hat man hier auch weitestgehend seine Ruhe. Dennoch gibt es viele Einkaufsmöglichkeiten und durch den öffentlichen Nahverkehr der SVF (StadtVerkehr Frankfurt), welcher sowohl Bus, als auch Straßenbahn zu bieten hat, kommt man innerhalb der Stadt jederzeit überall hin, ohne auf ein Auto angewiesen zu sein.

Ein Blick über die A12 in Richtung Polen, kurz nach Sonnenaufgang.

Auch die ländliche Umgebung Frankfurts ist immer wieder eine Augenweide und lädt zu ausgiebigen Spaziergängen und Radtouren ein. Gerade im Sommer ist hier der Helene See ein sehr lohnenswertes Ziel. Die Preise sind moderat, stand 2019 liegt der Tagespreis bei 1€ ermäßigt (Kinder und Schüler mit Schülerausweis) sowie 2€ je Erwachsenen bzw. PKW. Diese Preise werden vor allem durch das jährlich stattfindende “Helene Beach Festival” ermöglicht, welches im Sommer über die Dauer einer Woche statt findet. Für nahe Anwohner ist es allerdings immer wieder aufs Neue eine Belastung. Je nachdem wie der Wind steht, schallt gerade der Bass bis nach Finkenherd, Markendorf, Müllrose, … Nächte mit einem durchgehenden UFF UFF UFF … sind in dieser Woche die Regel.

Zum Schluss dieses Beitrags sei gesagt, das ich stolz bin, ein Frankfurter zu sein. Bei Spreadshirt habe ich daher einige Produkte kreiert. Auf diesen befindet sich ein Foto Frankfurts, aufgenommen von der polnischen Seite der Oder. Ich selbst finde die einfache Tasse dabei am besten. So trinke ich meinen Kaffee jeden Morgen aus der FFO-Tasse. Wer dies ebenfalls tun möchte, folgt einfach diesem Link: Tasse mit Bild von Frankfurt, von Slubice aus aufgenommen. Eine kleine Gewinnbeteiligung fließt dabei von Spreadshirt auf das Blogkonto und dient dem Erhalt und weiteren Ausbau dieses Blogs.

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