Bau eines Heimkino

Hallo allerseits.

Es war schon lange mein großer Traum, im heimischen Wohnzimmer ein kleines Heimkino aufzubauen. Da wir allerdings im Dachgeschoss wohnen, sind große, gerade Wände absolute Mangelware. Auch die finanzielle Seite stellte lange Zeit über, ein Hindernis dar. Daher informierte ich mich und recherchierte immer wieder mal, aber so wirklich etwas ins Rollen kam nie.

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Das 5.1 Surround-Soundsystem

Dank neuem Job, stellt die finanzielle Seite nun kein Hindernis mehr dar. Daher habe ich mir in den letzten Wochen nach und nach mein Heimkino zusammengekauft. Los ging es mit einem 5.1 Surround-Soundsystem. Als Dekoder habe ich mich für den Prozor 5.1 Surrounddekoder entschieden. Bei diesem muss man wissen wie man an den 5.1 Surroundsound kommt. Denn der kleine Wahlschalter (Pass | 2CH ) hat eigentlich 3 Schaltstellungen (Pass | 2CH | 5.1 Surround). Leider ist der Ausschnitt der Frontblende nicht breit genug, um in den 5.1 Surround-Modus schalten zu können. Erst wenn man die Frontblende demontiert (Der Lautstärkeknopf ist nur aufgesteckt und kann abgezogen werden), kann auf 5,1 Surround geschaltet werden. Ich habe die Möglichkeiten meiner Werkstatt genutzt und die Aussparung in der Frontblende mit einer Uhrmacherfeile aufgeweitet. Damit kann nun auch mit montierter Frontblende auf 5.1 geschaltet werden.

der SurroundDekoder

Da der Dekoder nur einen einzigen Koaxial-Eingang hat, ich aber 4 Geräte mit Koaxial-Ausgang nutzen möchte, musste noch ein Umschalter her. Nach längerer Recherche im Internet musste ich enttäuscht feststellen, dass es keine Koaxial-Cinch-Umschalter gibt. Wenn es welche gab, dann mit maximal 2 Eingängen. Also habe ich einen Wahlschalter bestellt und mir den Schalter selbst gebastelt:

Die Schirmung aller Koaxial-Cinch-Kabel (hier wurden konventionelle, analoge Cinchkabel verwendet) wurde verdrillt und zusammengelötet. Die Innenleiter gehen auf die Schalterkontakte. Mit diesem Schalter kann nun der digitale Koaxialausgang eines jeden Wiedergabegerätes auf den Surrounddekoder geschaltet werden.

Dem Dekoder habe ich zudem noch 2 Löcher verpasst, da ich ihn festschrauben wollte. Wie sich zeigte, müssen die Löcher vor allem innen, sehr gut entgratet werden, da sonst die Platinenbauelemente am Grat hängen bleiben, und die Platine Schaden nehmen kann.

das SoundSystem

Als Soundsystem kommt ein Auna 5.1-Soundsystem zum Einsatz. Dieses liefert einen tollen Klang. Leider speichert es keine Einstellungen. Wenn es vom Netz genommen wird (was bei uns dank schaltbarer Steckdosenleiste jeden Abend der Fall ist) verliert es seine Einstellungen und bei der nächsten Nutzung muss wieder alles neu eingestellt werden. Beispielsweise startet es stets mit dem “Aux Audio Input (Stereo)”. Erst durch die Taste “Input” wird auf den 5.1 DVD-Input umgeschaltet. Um die Effektlautsprecher anschließen zu können, habe ich mir ein einfaches 10m Stereo-Cinchkabel bestellt. Da die Lautsprecher mit einem Cinchstecker daher kommen, passt solch ein Kabel sehr gut.

der Projektor

Auch hier gingen wochenlange Recherchen vorraus. Ich habe reichlich Youtube-Videos geschaut, viele Erfahrungsberichte, wie auch Heimkino-Ratgeber gelesen. War ich zunächst auf Grund des geringen Preises auf 720p Beamer aus, so änderte sich meine Meinung beim lesen der Heimkino-Ratgeber schnell. Denn hier wird oft von 720p-Beamern abgeraten. Es sollte ein Beamer werden, der 1080p native Auflösung hat. Native Auflösung? Diese Frage stellte sich schnell. Denn überall stand “unterstützt 1080p/FullHD”. Was ist nun also die “native Auflösung”?

Unter der “nativen Auflösung” versteht man die tatsächliche Auflösung eines Beamers. Das Display, welches beleuchtet und dessen Licht durch die Optik an die Leinwand geworfen wird, besitzt tatsächlich 1920 x 1080 Pixel. In Summe also ganze 2,07MP. Beamer welche “1080p/FullHD unterstützen” haben meist eine native Auflösung von 720p. Deren Display besitzt also lediglich 1280 x 720 Pixel und kommt damit in Summe nur auf 0,9216MP. Diese Beamer können zwar 1080p abspielen, allerdings werden hier 1080p auf 720p herunter gerechnet und mit 720p dargestellt. Daher, greift lieber ein wenig tiefer in die Tasche und achtet auf native, also echte 1080p. Bei mir ist es der Bosnas Beamer mit 6800 Lumen geworden.

Die Projektormontage

Wie bereits erwähnt, wohnen wir im Dachgeschoss. Wirklich gerade, 2,5m hohe Wände sind hier Mangelware. Überall wimmelt es von Dachschrägen. Daher konnten weder Beamer, noch Leinwand konventionell montiert werden. Beide hängen bei uns relativ weit unten. Die Leinwand setzt auf den Boden auf, der Beamer hängt direkt über dem Kopf, wenn man auf der Couch sitzt.

Eine konventionelle Deckenhalterung war auf Grund der Dachschräge nicht möglich. Oder besser gesagt, ich habe es erst garnicht versucht. Da bin ich lieber in die Werkstatt gegangen und habe meine eigene Projektorhalterung gebaut. Bei dem Bosnas-Projektor befinden sich unter den Gummifüßen M4 Gewindbohrungen. Mittels dieser ist der Projektor an der Halterung montiert.

Die Trapezkorrektur mit +-15°, hat gerade so gereicht, um das Bild an der Leinwand gerade zu bekommen. Was mich an dem Beamer sehr erfreut hat, ist die Tatsache, dass die Trapezkorrektur offenbar optisch aufgeführt ist. Bei vielen Modellen im Niedrigpreissektor wird die Trapezkorrektur digital, also durch Verzerrung des Bildes auf dem Display, umgesetzt. Entsprechend wird hier nicht mehr die volle Displayauflösung genutzt und es entstehen Treppenartige Linien. Bei der optischen Trapezkorrektur gibt es diese Effekte nicht. Lediglich im Randbereich wird Schrift ein wenig unscharf. Diese Unschärfe ist allerdings so schwach ausgeprägt, dass sie bei Filmen nicht auffällt.

die Leinwand

Mit der Leinwand habe ich mich sehr schwer getan. Durch die Heimkino-Ratgeber war ich überzeugt, unbedingt eine Hochkontrastleinwand zu benötigen. Also habe ich mir eine entsprechende ALR-Folie als Meterware bestellt. Mit 60€ für 2m x 1,3m reichlich teuer. Zudem wollte ich mir aus Platzgründen eine Rolloleinwand bauen. Eine die nach Gebrauch irgendwo in die Ecke getellt werden kann. Als die Folie kam, habe ich sie an mein Selbstbau-Rollo angebracht und war sehr gespannt auf erste Projektionen. Naja…

Das Bild sah grauenhaft aus. Da waren nicht nur die vielen Falten, sondern die Leinwand glänzt auch, als würde ich auf Alufolie projizieren. Überall weiße Flecken im Bild, weil die Falten das Projektorlicht in Richtung des Betrachters reflektieren. Diese Folie ist lediglich verwendbar, wenn eine Rahmenleinwand gebaut werden soll, bei welcher die Folie straff gespannt werden kann. Mangels Platz, wo eine komplette Leinwand der Größe 2,1m x 1,4m untergebracht werden könnte, kam eine Rahmenleinwand nicht in Betracht. Das es sich um Meterware handelt, wurde die Rückgabe der ALR-Folie seitens des Händlers ausgeschlossen. So kann man effektiv Geld los werden.

Leinwand die Zweite

Auch wenn die Heimkino-Ratgeber zur Hochkontrastleinwand raten, blieb mir also nichts weiter übrig, als eine “einfache Rolloleinwand” zu bestellen. Die Wahl fiel auf eine Beleo02. Als sie geliefert wurde, war ich natürlich überaus neugierig. Und was soll ich sagen, eine glatte Oberfläche, wie mit dem Lineal gezogen. Das projezierte Bild wird entsprechend knackscharf dargestellt, sofern man den Fokus exakt trifft. Selbst mit einem recht großen Fokusbereich, ist das nicht ganz einfach.

Da hängt sie, die neue Leinwand. Gut, ein wenig wellig ist sie doch. Aber das sind ganz andere Dimensionen gegenüber der Hochkontrastfolie.
Erst einmal Testbild aus dem Netz herunter geladen und den Projektor damit eingestellt. Ergebnis: top Bild.

das Kabelgewirr

Um das alles läuft, braucht es noch einen HDMI-Switch und einen HDMI-Splitter. Der Switch sammelt die HDMI-Leitungen aller Wiedergabegeräte, der Splitter splittet das HDMI-Signal und gibt es sowohl an den Fernseher, als auch an den Beamer weiter. Das sieht dann so aus:

HDMI-Switch, schaltet automatisch auf das zuletzt aktivierte HDMI-Signal um.
HDMI-Splitter, teilt das HDMI-Signal auf Fernseher und Beamer auf.

Um das HDMI-Signal zum Beamer zu schicken, bedurfte es zudem eines 10m langen HDMI-Kabels. Die 10m passen gerade noch so. Laut HDMI-Spezifikation wäre für mehr als 10m, bereits ein Repeater/Signalverstärker notwendig. Davon, dass das Signal auf den 10 Metern schwach wird, merkt man beim Beamer allerdings nichts. Das Bild ist flüssig und scharf.

Fazit

Nach 4 Wochen, ist die Dauerbaustelle Heimkino nun fertig und der erste Filmabend hat nicht nur mich überzeugt. Allerdings soll das Heimkino ein besonderes Ereignis bleiben, weswegen lediglich an besonderen Abenden, Filme auf der Leinwand geschaut werden. Wenn nicht geschaut wird, lagert der Beamer im Schrank und die Leinwand wird an der Wand angelehnt, aufbewahrt. Alles in allem hat sich die Investition gelohnt und die Filmabende bleiben jedes Mal aufs Neue in Erinnerung.

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